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Das Projekt "Bechsteinfledermaus" - "Biologische Vielfalt" erhalten und erleben

Ein ganz besonderes "Mutterschutzprogramm" zur Erhaltung von Lebensräumen

Der Naturpark Rhein-Taunus ist eine der vielfältigsten Kultur- und Naturlandschaften Deutschlands. Bei uns leben zahlreiche, seltene Tier- und Pflanzenarten in bemerkenswerten Vorkommen. Darunter finden sich einige, die andernorts schon als Einzelvorkommen große Beachtung finden.

Ist Ihnen die Äskulap-Natter oder der Europäischen Luchs schon einmal in freier Wildbahn begegnet, haben Sie die Wildkatze oder den Schwarzstorch schon einmal außerhalb eines Wildparks beobachtet? Es sind jedoch nicht nur diese größeren Tierarten, die für die Biologische Vielfalt relevant sind, es können auch kleinere wie der Heldbock oder Hirschkäfer sein.

Einige dieser Arten besitzen die Eigenschaften von sogenannten "Verantwortungsarten" und haben Ihren Verbreitungsschwerpunkt hier in Deutschland. Ein Aussterben bei uns könnte die Existenz dieser Arten weltweit gefährden. Aus einer Liste von vierzig vom Bundesamt für Naturschutz definierten Verantwortungsarten haben wir uns eine besondere Art ausgewählt, für deren Erhalt wir uns engagieren - die "Bechsteinfledermaus" (Myotis bechsteinii). Diese Säugetiere leben in einem uns Menschen eher fremden, nachtaktiven Rhythmus mit einer langen Winterschlafphase. Zugleich benötigen Sie in Ihrem Lebensraum alle wichtigen Elemente eines Naturwaldes (Urwaldes) wie Altbäume in Zerfallsphasen, Struktur- und Artenreichtum in Fauna und Flora mit einem deutlichen Schwerpunkt an Laubbäumen, und eine ausreichende Flächengröße mit zahlreichen Höhlenbäumen. Im Naturpark Rhein-Taunus gibt es die Bechsteinfledermaus noch/wieder in einem bemerkenswerten Vorkommen, weshalb wir in 2013 ein großes Naturschutzprojekt zum beispielhaften Schutz dieser Art begonnen haben.

Der Projekt-Titel lautet: "Förderung eines Kolonieverbundes der Bechsteinfledermaus im europäischen Populationszentrum. Entwicklung und Umsetzung von effizienten Schutzmaßnahmen zur Integration in die forstliche Bewirtschaftung". Was hier etwas sperrig klingt, soll in den 4 Projektjahren mit konkreten Aktivitäten gefüllt werden. Es gibt mehrere zentrale Projektinhalte. Mit Hilfe von Daten der Forsteinrichtung der Waldeigentümer (Fachdaten über Waldbestände) werden von Wildbiologen Prognosen über das räumliche Vorkommen von Wochenstuben der Bechsteinfledermaus (feste Familiengemeinschaften weiblicher Fledermäuse) erstellt. Diese Vorkommen werden über nächtliche Fänge von Einzeltieren mit feinen Netzen bestätigt. Die gefangenen Tiere erhalten einen kleinen Peilsender, mit dessen Hilfe die jeweiligen Wochenstuben lokalisiert werden. Es folgt eine Strukturanalyse der Waldbestände, eine Begehung gemeinsam mit den örtlichen Förstern und Waldeigentümern und eine auf den gewonnenen Erkenntnissen aufbauende Konzeption von Schutzmaßnahmen. Der aus den Einzelergebnissen entstehende Katalog soll bundesweit übertragbare Maßnahmen enthalten, die in anderen Waldgebieten die Lebensbedingungen für diese seltene Verantwortungsart verbessern soll.

Zu Beginn des Projekts waren in ganz Hessen ca. 90 Wochenstuben bekannt, davon 6 Kolonien im Projektgebiet. Mittlerweile sind es 23 bekannte Kolonien im Naturpark, der somit ein bemerkenswertes Vorkommen der Bechsteinfledermaus nachweisen kann. Auf dieser Datenbasis können jetzt mit Hilfe der Fördermittel des Bundes erste beispielhafte Maßnahmen bei uns umgesetzt werden.

Ein weiterer Baustein ist die Information der Öffentlichkeit über die Thematik der Biologischen Vielfalt in ihrer Bedeutung auch für uns Menschen. Projekte mit Schulen oder öffentliche Exkursionen sind dabei ebenso wichtig wie die Zusammenarbeit mit Zeitung, Funk und Fernsehen. Natürlich ist das Projekt Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit des Bundesamtes für Naturschutz und auch der Biodiversitäts-Strategie des Landes Hessen. Die Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Frau Priska Hintz, hat unter anderem die Schirmherrschaft für die Auftaktveranstaltung des Projekts im Juli 2014 übernommen.

Weitere Informationen halten wir auf dieser Website oder bald auf der Website www.bechsteinfledermaus.eu bereit.