Gewitter, Unwetter oder andere Wetterextreme
Wie verhalte ich mich richtig?
Es gibt überall Wetterphänomen, nicht nur in unserem Naturpark, die wiederholt mit Gewitter mit Sturm, Starkregen, Blitz und Hagel einhergehen. Ist man mit dem Rad oder als Wanderer im Naturpark unterwegs kann es auch bei uns wirklich gefährlich werden. Mit einigen Verhaltensregeln, lässt sich aber auch das heftigste Unwetter vielleicht nass, aber sonst unbeschadet überstehen. Aus diesem Grunde möchten wir dir ein paar Tipps an die Hand geben, die vielleicht helfen, die richtige Entscheidung zu treffen:
- Achte auf das Wetter und den Wetterbericht bevor du dich auf deinen Wunschweg machst. Der Wetterbericht gibt die überregionale Wetterlage bekannt, dennoch musst du vor Ort deine eigene Einschätzung treffen. Sind Unwetter angesagt oder absehbar, plane nur Touren, bei denen du deutlich vor dem Eintreffen des Ereignisses die freie Feldflur, das Gebirge oder den Wald wieder verlassen hast!
- Trage angemessene Kleidung und nimm ggf. Wetterschutz mit. Regenjacke und -hose, einen Überzug für den Rucksack und bei Wanderungen im schwierigem Gelände (Gebirge, wirklich siedlungsferne Ziel etc.) unter Umständen auch Biwaksack etc..
- Informiere andere z.B. Angehörige, Hüttenwarte etc., wenn du dich auf eine Wanderung oder Radtour in schwieriges Gelände begibst. Die Rückkehr natürlich ebenso melden!
- Es ist besser nicht allein unterwegs zu sein...
- Nimm auf längere Touren ausreichend Proviant und Getränke mit - auch ausreichend um eine Pause zu überbrücken und nicht hungrig oder durstig im Wald zu stehen.
- Auch extreme Hitze kann eine Gefahr darstellen. Durch unseren Naturpark läuft z.B. ein Abschnitt des Rheinsteigs, der sehr stark der Sonne ausgesetzt ist. Hier kann zu wenig Sonnenschutz (Hut/ Schirm/ Kleidung/ Sonnenschutzmittel) oder fehlendes Trinkwasser (nicht Wein oder Süßgetränke) eine echte Gefahr für die Gesundheit darstellen. Also lieber einen Liter mehr mitnehmen!
- Solltest du bei Einbruch eines Gewitters im freien Feld sein - runter vom Fahrrad und auf Abstand gehen! Auch Schirme gehören dann nicht in die Hand und Rucksäcke mit Metallgestell weg vom Körper. Ein Auto bietet einen hervorragenden Schutz gegen Blitze. Nicht unter Bäumen Schutz suchen. Mit geschlossenen Beinen auf den Boden hocken, falls vorhanden in einer Senke oder in einer Furche. Warte bis das Gewitter mit Blitzen vorbeigezogen ist.
- Solltest du bei Einbruch eines Gewitters im Wald sein - halte möglichst Abstand von den größten Bäumen - verlasse Waldbestände mit Bäumen über 20 m Höhe - hier steigt die Windbruchgefahr! Am sichersten bist du in niedrigen Jungwuchsbeständen unter 20 m Höhe. Ebenso wie auf freiem Feld keine metallischen Gegenstände (Schirm, Fahrrad, Rucksack mit Metallgestänge) bei sich führen.
- Schutzhütten bitte mit kritischem Auge besuchen. Diese stehen manchmal malerisch schön unter großen, alten Bäumen - diese können im Gewittersturm aufgrund höherer Gewalt umstürzen und die Hütten unter sich begraben. Wir haben im Naturparkgebiet schon die eine oder andere Hütte auf diese Weise verloren, zum Glück ohne dass jemand darin war. Im Zweifelsfall bergab in die Tallagen laufen, also die Höhen meiden.
- Gehe oder fahre niemals bei Sturm- oder Orkanwarnung in den Wald - ein umfallender großer Baum ist leicht mehrere Tonnen schwer und hat für dich die gleiche Wirkung wie eine Fliegenklatsche für eine Fliege (diese sind allerdings reaktionsschneller!!!!) Diese Warnung gilt übrigens auch für Fahrten mit dem Auto. Stell dir folgendes Szenario vor: Du fährst durch den Wald - vor dir fällt ein Baum über die Fahrbahn, du wendest - aber dort liegt auch schon ein Baum - und jetzt fallen alle Bäume zwischen diesen beiden Bäumen um - Du hast keine! Chance!!!!! Und die Feuerwehr? Ich habe noch kein Feuerwehrfahrzeug gesehen, welches eine umstürzende 5 Tonnen schwere Buche oder Fichte aufgehalten hätte. Ich persönlich empfehle einen gemütlichen Morgen, Tag oder Abend mit einem guten Frühstück, Mittagessen oder Glas Wein zuhause!
- Achte bei Wasserläufen oder Bachüberquerungen auf den Wasserstand. Solltest du dich gezwungen sehen einen Bach ohne Brücke überqueren zu müssen: Stark strömendes Wasser ist nur bis ca. Kniehöhe mit gutem Schuhwerk und einem unterstützenden Stab sicher zu durchqueren. Die Gefahr realistisch einschätzen und lieber auf dem sicheren Ufer warten bis die Bedingungen besser werden oder einen sicheren Übergang suchen!
- Starkregen stellt in den steilen Weinbergslagen eine besondere Gefahr dar! Verlasse Rinnen im Gelände, sie können eine tödliche Gefahr durch plötzliche Sturzbäche darstellen. Manchmal findet man in den Weinbergen Schutzräume, die in die Weinbergsmauern hineingebaut sind. Im Zweifelsfall da bleiben, wo man ist, bis das Unwetter vorübergezogen ist.
- Das Mobiltelefon bietet heute ggf. gute Möglichkeiten Hilfe zu rufen. Wenn du genau bestimmen kannst, wo du dich gerade befindest, hilft dies den Rettern ungemein weiter. Im Naturpark RheinTaunus liegt das größte geschlossene Waldgebiet Hessens - da kann man sich wunderbar verlaufen oder tagelang nach jemandem suchen. Also präzise Beschreibungen überlegen, z.B. mit Hilfe einer Wanderkarte oder mit Hilfe einer App ("Hilfe im Wald" oder „what3words"). Der Notruf funktioniert oftmals auch dann noch, wenn du keine normalen Telefonate mehr führen kannst. Die Geräte senden dann mit einer besonderen Leistung! Halte das Geräte trocken und aufgeladen - nichts ist so wenig hilfreich wie ein leerer Akku oder ein Handy mit Kurzschluss.
- Solltest du dich bei Nebel im normalen Mittelgebirge verlaufen haben - laufe ggf. eher bergab und folge den Gewässern. In der Regel erreichst du Straßen oder Siedlungen. Im Gebirge oder unüberschaubaren ebenen Gelände bleibe, wo du gerade bist. Laufe nicht weiter! Biwakiere und warte bessere Wetter- und Sichtbedingungen ab.
- Nimm ein Erste-Hilfe-Pack mit auf die Wanderung.
- Versuche nicht bei Unwetter Sachwerte zu retten - nur Lebensrettung unter entsprechender Eigensicherung ist sinnvoll - Das einzige was du nicht ersetzen kannst, ist das Leben - sei es deins, das deiner Angehörigen oder das der Retter!
- Auch in den Tagen nach Stürmen gilt es Wald und Gewässer mit etwas erhöhter Vorsicht zu betreten. Der Sturm kann Bäume gelockert oder halb umgedrückt haben, die erst Tage später bei leichtem Wind umstürzen. Abgebrochene Äste hängen noch tagelang in den Bäumen und fallen plötzlich herunter. Manche Wege haben von stark strömenden Wasser noch tiefe Spurrillen, die Radfahren oder Wandern schwer oder unmöglich machen.
Gut vorbereitet wird dir nichts passieren - Unwetter sind (fast immer) vorhersehbar und entsprechend kann man sich in Sicherheit bringen. Am nächsten Tag scheint wieder die Sonne und dem verschobenen Spaziergang steht dann meist nichts mehr im Wege.
Wir wünschen dir Glück auf deinen Wegen!
Dein Team vom Naturpark RheinTaunus