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Projektergebnisse für die Kommunen

Ergebnisübergabe aus dem Bechsteinfledermausprojekt an die Kommunen im Rheingau-Taunus-Kreis

Der Naturpark Rhein-Taunus übergibt nach fünfjähriger Laufzeit die umfassenden Ergebnisse des Projekts für die Verantwortungsart Bechsteinfledermaus aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt an die kooperierenden Kommunen im Rheingau-Taunus-Kreis.

15 Bürgermeister nahmen heute von Landrat und stellvertretendem Vorsitzenden des Zweckverbands Naturpark Rhein-Taunus Frank Kilian die Projektergebnisse aus dem Bechsteinfledermausprojekt des Naturparks entgegen. Insgesamt fünf Jahre hatten die Biologen vom Institut für Tierökologie und Naturbildung vor allem in den Wäldern der Städte und Gemeinden im Auftrag des Naturparks Rhein-Taunus nach diesen Tieren gesucht, die als  seltene, nationale Verantwortungsart in unseren sommergrünen Laubmischwäldern ihren europaweiten Verbreitungsschwerpunkt hat. Von zu Beginn bekannten 6 Wochenstubenkolonien im Jahr 2013 ausgehend, konnten im Naturpark mittlerweile 32 Wochenstubenkolonien nachgewiesen werden. In Folge wurden dann gemeinsam mit den waldbesitzenden Kommunen und den Försterinnen und Förstern effiziente und in die Forstwirtschaft integrierbare Schutzmaßnahmen für unsere Wälder entwickelt und mit fast 350.000 € realisiert. Diese zielgerichteten Naturschutzmaßnahmen für die Verantwortungsart umfassen die Entwicklung von Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Landschaft, wie sie beispielsweise Baugebiete darstellen. Auch die Pflanzungen von Eichen oder die Vergitterung von alten Stollen, die zahlreichen Fledermausarten als Winterquartier dienen, zählen zu dieser bunten Palette an Aktivitäten. In besonders beispielhaften Waldbeständen wurden fast 600 Höhlenbäume zur Sicherung der Koloniestandorte der standortstreuen Bechsteinfledermaus kartiert und weitere 360 alte Eichen und Buchen als sogenannte Strukturbäume im Waldbesitz der Kommunen durch den Projektträger Naturpark Rhein-Taunus angekauft. Dabei handelt es ich um besonders vitale Bäume, die bis zu ihrem natürlichen Lebensende  als wichtige Strukturelemente in unseren Wäldern erhalten bleiben sollen. Mit etwas Glück können die Bechsteinfledermaus und andere mit ihr zusammenlebende, anspruchsvolle Arten von diesen Bäumen einige hundert Jahre profitieren, während unsere Urenkel Bäume erleben können, die 400 oder 500 Jahre alt geworden sind. Zentrales Element für den Erhalt der Art in unseren bewirtschafteten Wäldern ist zudem ein mit hohem Aufwand berechnetes Lebensraummodell. Es wird in Zukunft die Planung von integrativen Schutzmaßnahmen für die Art in den hiesigen Waldflächen im Rahmen der forstlichen Bewirtschaftung erleichtern. Diese umfassenden Ergebnisse wurden jetzt für die kommunalen Projektpartner zusammengefasst und in Form von Karten- und Datenmaterial den Bürgermeistern im Rahmen einer Bürgermeisterdienstversammlung übergeben. Landrat Kilian stellte das besondere Engagement und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten heraus. Auch nach teilweise anfänglichen Bedenken konnte über Dialog und Informationsaustausch das Projekt zu einem sehr erfolgreichen Ergebnis geführt werden. Dieses bestätigt in vielem den bisher schon beschrittenen Weg der verantwortungsvollen Bewirtschaftung der Wälder an Rhein und Taunus.  Für die Kommunen stellt es ein sehr hilfreiches Instrument für den Waldnaturschutz dar und es trägt so zur Erhaltung der hochwertigen, naturnahen Waldlandschaften unserer Region bei, die zugleich das zentrale Element des Erholungsraums für die rund 480.000 Einwohner in den Mitgliedskommunen des Naturparks darstellt. Ohne die Zusammenarbeit und Unterstützung durch die Städte und Gemeinden wäre die Umsetzung des Projektes mit solch aussagekräftigen Ergebnissen nicht möglich gewesen. Bereits 2016 wurde das Projekt durch Umweltministerin Priska Hinz als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt für seinen Modellcharakter ausgezeichnet, dem insgesamt aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt und seitens der Träger des Naturparks 1,2 Millionen Euro zur Umsetzung zur Verfügung gestellt wurde. In der nun noch verbleibenden Projektzeit wird ein Leitfaden erstellt um diese Ergebnisse aus dem Naturpark Rhein-Taunus bundesweit übertragen zu können. Dieser erfolgreiche Projektabschluss ist damit auch ein ganz besonderer Beitrag zum diesjährigen Jubiläum „50 Jahre Naturpark Rhein-Taunus“, der sich dadurch über die letzten Jahre definitiv als Plattform für Naturschutzprojekte und Umweltbildung etabliert hat und zukünftig auf weitere Erfolge dieser Art hofft.

Biologische Vielfalt ist alles, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen, ihre Wechselwirkungen untereinander und zur Umwelt sowie die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Lebensräume. Die natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet nicht nur die Schönheit der Natur zu bewahren. Es bedeutet auch, die Grundlagen des Überlebens von uns allen zu sichern.

Offizieller Titel des vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projekts:

„Förderung eines Kolonieverbundes der Bechsteinfledermaus im europäischen Populationszentrum -

Entwicklung und Umsetzung von effizienten Schutzmaßnahmen zur Integration in die forstliche Bewirtschaftung“

 

Ansprechpartner bei Fragen zum Projekt

Andreas Wennemann
Telefon: 061264379
Email: info@naturpark-rhein-taunus.de
Internet: www.bechsteinfledermaus.eu

Eingetragen am: 18.05.2018