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Niedlich, aber wild!

"Wildkätzchen im Wald lassen!"

Neue Hinweisschilder im Naturpark Rhein-Taunus klären auf: "Wildkätzchen im Wald lassen!"

Unter diesem Motto starten auch der Naturpark Rhein-Taunus gemeinsam mit den anderen Hessischen Naturparken, dem Biosphärenreservat Rhön und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Hessen in diesem Frühjahr eine Informationskampagne. Ihr Ziel ist es, mithilfe von Hinweisschildern an Wanderparkplätzen und weiteren öffentlichen Orten die WaldbesucherInnen darauf hinzuweisen, vermeintlich verwaiste Kätzchen nicht anzufassen oder gar mitzunehmen. Denn neben Rehen, Wildschweinen und Füchsen bekommt in diesen Monaten auch die Europäische Wildkatze Nachwuchs, die im Naturpark Rhein-Taunus beheimatet ist. „Das Muttertier ist in der Regel nicht weit weg, gerade kurz auf Mäusejagd oder versteckt sich in unmittelbarer Nähe", erklärt Susanne Schneider, Wildkatzenexpertin des BUND Hessen.

Die neuen Hinweisschilder klären darüber auf, dass in der Region Wildkatzen leben und bitten die WaldbesucherInnen, gesichtete Jungkatzen nicht zu stören und nur aus großer Entfernung zu beobachten. Sichtungen dürfen jedoch gerne dem BUND oder dem Naturpark gemeldet werden – für diesen Fall sind auf dem Schild die Kontaktdaten vermerkt. Auch bei Fragen stehen die beiden Stellen gerne zur Verfügung.

„Unser Ziel ist es zu verhindern, dass die grau-getigerten „süßen" Wildkätzchen aus dem Wald mitgenommen werden. Besonders in den ersten Lebenswochen sehen sie Hauskatzenwelpen zum Verwechseln ähnlich", so Andreas Wennemann vom Naturpark Rhein-Taunus. „Die Tiere landen, sobald sie etwas älter sind und wildkatzentypische Verhaltensweisen zeigen, bestenfalls in Schutzstationen. Das bedeutet für die Kätzchen jedoch enormen Stress. Auch die Ansteckungsgefahr mit Krankheiten ist hoch und kann den Tod für die Tiere bedeuten. Auswilderungen zurück in die freie Natur funktionieren leider nicht immer. Diese Tiere sind eben echte Raubeine, die nicht gezähmt werden können! Sie leben und lieben ihre wilde Welt, ganz anders als unsere Stubentiger. Daher gilt: bitte nicht anfassen oder stören!"

 

Hintergrundinformationen

Die größte Bedrohung für die Europäischen Wildkatzen ist die Zerschneidung ihres Lebensraums. Beim Überqueren von Straßen und Autobahnen kommt es immer wieder zu Todesfällen, in Hessen verunfallen ca. 50 Wildkatzen pro Jahr. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weit höher liegen. Aber auch große ausgeräumte Ackerflächen stellen für das Überleben der Wildkatze eine Gefahr dar. Sie verlassen ungern ihre Deckung, so dass sie große Felder nicht überqueren können. Inzucht und genetische Verarmung der verinselten Populationen drohen. Deshalb sind die Europäischen Wildkatzen – und mit ihr viele andere Waldtierarten – auf ein Netzwerk aus Wäldern angewiesen. Verbindungen aus Bäumen und Büschen helfen ihnen, neue Lebensräume zu erobern und Paarungspartner zu finden. Der BUND engagiert sich deshalb seit nunmehr 15 Jahren für ein „Rettungsnetz Wildkatze" mit einem Waldverbund von 20.000 grünen Kilometern über ganz Deutschland.

 

Hintergrundinformationen zur Biologischen Vielfalt im Naturpark Rhein-Taunus

Im Naturpark Rhein-Taunus gibt es weitere anspruchsvolle Zeigerarten für die besondere Biologische Vielfalt unserer Region. Weitere Waldarten sind die Bechsteinfledermaus und der Schwarzstorch. Eher im buschigen Offenland lebt bei uns die Äskulap-Natter und in der Wisper lebt seit einigen Jahren wieder der Lachs. All diese Tiere stehen stellvertretend für andere oft unscheinbare Arten, die das natürliche „wilde" Leben unseres Naturparks prägen und einen wesentlichen Bestandteil der attraktiven Natur- und Kulturlandschaft ausmachen. Diese Biologische Vielfalt zu erhalten, zu schützen und gemeinsam mit den Menschen der Region zu entwickeln ist eine der Hauptaufgaben des Naturparks Rhein-Taunus. Eine lohnende Aufgabe, wie man auch in den jetzigen Zeiten der Corona-Epidemie persönlich erleben kann. Wer derzeit im Naturpark unterwegs ist, wird viele Menschen treffen, die zu den rund 470.000 Einwohnern des Naturparks gehören und diesen Erholungsraum gerade ganz neu für sich entdecken. Natürlich bringt dies auch neue Belastungen für die naturnahen Räume in Wald und Flur mit sich - auch hier ist es Aufgabe des Naturparks durch entsprechende Lenkungsangebote und Informationen dieses kulturelle und natürliche Erbe der Region zu schützen und zu entwickeln. Dazu knüpft der Naturpark gerne an sein erfolgreiches Projekt im Rahmen des Bundesprogramms biologische Vielfalt zum Schutz der Bechsteinfledermaus an.

Wer Wildkatzenjunge gesehen hat, kann dies dem BUND Hessen melden: www.bund-hessen.de/wildkatze

Eingetragen am: 06.05.2020


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